Die Kellerkatze miaut wieder

 

Von alters her eng mit der Kulturgeschichte des Weines verbunden, ist das Vorkommen der Kellerkatze zuletzt stark zurück gegangen. Jetzt nähert sie sich uns wieder auf samtenen Pfoten – als neue Symbolfigur des Weinviertels.

 

Die Kellerkatze tritt in zweierlei Gestalt auf. Zunächst wird der an den Wänden anhaftende Kellerschimmel wegen seines samtigen,  fellartigen Aussehens als „Kellerkatze“, „Kellertuch“ oder „Schwarze Katze“ bezeichnet. Der dunkle Schimmelpilz (cladiosporium cellare), der sich im Wesentlichen vom Alkoholdunst ernährt, ist im Weinkeller als Regulator für die Luftfeuchtigkeit sehr erwünscht. Sein Vorhandensein weist auf optimale Verhältnisse für Lagerung und Ausbau hin.

 

Aber auch eine traditionelle animalische Rolle wird dem symbolkräftigen Tier zugeschrieben. Einst in den Kellern gehalten, um dort Mäuse zu fangen, soll es sich die Katz’ nach dem Fressen mit Vorliebe auf einem Fass gemütlich gemacht und im Herbst die wohlige Wärme des anhaltenden Gärprozesses genossen haben. Während jedoch die Gärgase jeden Menschen aus den Schuhen kippen, konnten sie den Katzen mit ihren sprichwörtlichen neun Leben offensichtlich nichts anhaben, und sie verweilten genussvoll schnurrend auf jenem Fass, dessen Inhalt am längsten gärte, also zum besten Wein geriet.

 

Fortan postierte jeder Winzer auf dem Fass mit dem jahrgangsbesten Wein stolz eine Kellerkatze aus Holz, entweder selbst geschnitzt oder als Auftragsarbeit kunstvoll ausgeführt. Mit zunehmender Verlagerung der Weinproduktion von den Kellern in moderne Anlagen wurde der beliebten Mieze aber nach und nach ihr angestammter Lebensraum entzogen, die Kellerkatze wurde zur bedrohten Tierart, ehe ihr seit einigen Jahren ganz besonderer Artenschutz zukommt.

 

Der Hollabrunner Künstler Günter Stockinger, vor allem mit seinen Holzskulpturen weit über die Region hinaus bekannt geworden, erweckte die Kellerkatze mit der Motorsäge zu neuem Leben. Mit gekonnten Schnitten und sorgfältiger Nachbearbeitung schuf er eine neue Symbolfigur für das Weinviertel – mit markantem Buckel, treuherzigem Blick sowie Krallen und Bart aus Weingartendraht.

 

Inzwischen hat sich die Weinviertler Kellerkatze zigfach vermehrt, kommt in verschiedenen Größen bis zur stattlichen Höhe von 1,10 Meter vor und zeigt sich fast immer in traditionellem Schwarz, kann aber auch in anderen Farben erscheinen. Ihren neuen Lebensraum hat sie in Presshäusern und Kellerstüberln gefunden, vielfach auch in Wohnungen von Wein- und Weinviertel-Liebhabern, die sie als Geschenk bekommen oder als Souvenir mit nach Hause gebracht haben.

 

Wie die Katze um den heißen Brei herumzugehen ist seine Sache nicht, vielmehr hat Günter Stockinger ein klares Ziel vor Augen: „Ich bin davon überzeugt, dass die Kellerkatze alle Voraussetzungen mitbringt, um zu einer neuen Symbolfigur für das Weinviertel zu werden.“ Demgemäß hat er diese Figur auch als metallenen Schlüsselanhänger aufgelegt und auch schon einmal lokale Bäckereien dafür gewonnen, sie auf Bestellung auch knusprig zu backen. Der Hollabrunner Bäckermeister Norbert Spenling lieferte sie zur Veranstaltungsreihe „Kino und Kultur im Keller“ 2012, wo sie im Mittelpunkt des kulinarischen Programms standen.

 

Die bevorzugte Lebensweise der Weinviertler Kellerkatze ist aber in der Gestalt einer Skulptur aus heimischem Hartholz. In seinem Atelier in Obergrabern bei Hollabrunn hält sich Günter Stockinger stets eine große Schar seiner Miezen und fertigt sie auf Wunsch auch in bestimmten Größen und Erscheinungsformen an.

Atelier Günter Stockinger

2020 Obergrabern 45

Tel. 0664 73 48 08 38

weinviertler-kellerkatze.at

Verein zur Förderung der Sitzendorfer Kellergasse in Hollabrunn

Plan & Kontakt  |  Impressum  |  ZVR 373338488